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Sunday, 09.12.2018

Zahnreinigung und Prophylaxe:

Vorbeugen ist besser als heilen!

Wer kennt ihn nicht diesen Satz und trotzdem wird ihm viel zu selten Beachtung geschenkt.

Wie entsteht eigentlich Zahnbelag und Zahnstein?

Wie kann man Zahnstein verhindern?

Wie sieht eine gute Prophylaxe aus?

Was mach ich wenn mein Tier schon Zahnstein hat?

Wie entsteht eigentlich Zahnbelag und Zahnstein?

Beim Durchbruch der bleibenden Zähne in die Maulhöhle werden diese innerhalb kürzester Zeit von einem zellfreien Film auf ihrer Oberfläche überzogen, das sog. dentale Pellikel (erworbenes Schmelzoberhäutchen). Bestimmte Bakterien mit starken Bindungseigenschaften belagern diese Pellikel sehr schnell und unterstützen, als sog. Pionierbakterien, die Ansiedlung verschiedener anderer Keime. Diese über 300 verschiedenen Bakterienarten besitzen z. T. eine zell- und gewebsschädigende Wirkung. Sie sind eingebettet in eine zähe Masse aus Speichelbestandteilen, abgeschilferten Mundschleimhautzellen und Nahrungsresten, die zusammen eine feste, auf der Zahnoberfläche haftende Schicht bilden, den sogenannten Zahnbelag (PLAQUE). Das ist die Schicht, die wir uns als Mensch jeden Tag mit der Zahnbürste von der Zahnoberfläche wegputzen, was bei den meisten Haustieren allerdings unterbleibt.

Die Folge ist eine Einlagerung von verschiedenen, aus dem Speichel stammende Mineralien (beim Hund meist Kalziumphosphat), die mit dem Zahnbelag zu dem bekannten ZAHNSTEIN verbacken. Erste Zahnsteinanheftungen findet man bei Hund und Katze oft an den Eck- und an den Reißzähnen des Oberkiefers, dort wo die Speicheldrüsengänge in die Maulhöhle münden. Man unterscheidet den über der Mundschleimhaut (supragingival) gelegenen sichtbaren Zahnstein, von dem unterhalb der Gingiva (subgingival) verborgenen nicht sichtbaren Zahnstein, der in der Regel dunkler und rauer ist.

Der Zahnstein führt letztendlich sekundär - als Anheftungsgrundlage für weiteren Zahnbelag - über eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) unweigerlich zu einer Entzündung  und Zerstörung des Zahnhalteapparates (Parodontitis), die in letzter Konsequenz den Verlust des Zahnes bedeutet. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Aspekt ist die Tatsache, dass neben dieser lokalen Beeinträchtigung der Zähne und des Zahnhalteapparates nachweisslich auch eine systemische Schädigung des gesamten Organismus erfolgt. Humanmedizinische Studien belegen eindeutig den Zusammenhang zwischen Parodontal- und Allgemeinerkrankungen wie Diabetes mellitus, Lungenentzündungen, Herzerkrankungen oder Schädigungen von Leber und Nieren. Eine veterinärmedizinische Studie an 45 Hunden zeigte eine signifikante Korrelation zwischen dem Grad der parodontalen Erkrankung und dem Grad histopathologisch nachweisbarer entzündlicher Veränderungen in Niere, Leber und Herzmuskel.

Wie kann man Zahnstein verhindern?

Regelmäßiges Zähneputzen ist die mit Abstand wirksamste Maßnahme zur Beseitigung von Zahnbelag und damit zur Vorbeugung von Zahnstein und Parodontalerkrankungen.

Mehrjährige Studien bei Hunden belegen, dass sich Zahnbelag und Zahnstein ohne regelmäßige Zahnprophylaxe sehr schnell entlang des Zahnfleischrandes bildet und innerhalb weniger Wochen zu einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis) führt. Hunde, die unter identischen Bedingungen gehalten und gleiches Futter bekamen, zeigten dagegen keine klinischen Entzündungen des Zahnfleisches, wenn ihre Zähne täglich geputzt wurden.

Wie sieht eine gute Prophylaxe aus?

Im Rahmen von Studien zu Zahnfleischentzündungen konnte gezeigt werden, dass bei fehlender Zahnprophylaxe zu Hause, bereits 3 Monate nach einer professionellen Zahnreinigung, die Ausgangssituation wieder erreicht wird. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass eine geeignete Zahnprophylaxe nur aufrecht erhalten werden kann, wenn anschließend an eine professionelle Zahnreinigung durch den Tierarzt, eine dauerhafte Maul- und Zahnhygiene zu Hause (home care) durchgeführt wird.

Am besten geeignet sind Zahnbürsten mit weichen bis mittelharten Nylonborsten mit einer für das Tier und die Zahnregion passenden Größe. Fingerbürsten oder um den Finger gewickelte Stofflappen, sollten nur in der Trainingsphase verwendet werden, da nur eine ausreichende mechanische Reinigung durch das Bürsten, den Zahnbelag wirksam entfernt. Bei der Zahncreme sollten Sie eine nichtschäumende, unfluoridierte und geschmackvolle Variante bevorzugen, da das Tier bei einer wohlschmeckenden Zahncreme das Zähneputzen besser und länger toleriert. Am besten drücken sie die Zahnpaste mit dem Finger vorher tief in die Bürste, damit sie nicht sofort vom Tier abgeleckt wird. Zur Häufigkeit der Zahnprophylaxe ist zu sagen, dass der „golden standard“ bei einmal täglichem Zähneputzen liegt.

Neuere Untersuchungen aus England zeigen das selbst ein Zähneputzen im zweitägigen Intervall nicht ausreicht, um das Zahnfleisch klinisch gesund zu erhalten. Beim Bürsten sollten die Zähne und der Zahnfleischrand in Kreis- oder Auf-und-ab- Bewegungen gebürstet werden. Die Bürstenkopf sollte dabei in einem 45°-Winkel zur Zahnoberfläche gehalten werden, damit die Borsten auch in die Zahnfleischfurche hineinreichen können. Trotz gewissenhafter Zahnpflege zu Hause sollte eine regelmäßige Kontrolle durch den Tierarzt mit einer professionellen Zahnreinigung in bestimmten Intervallen stattfinden. Ebenso wie die meisten Menschen täglich ihre Zähne reinigen, benötigen sie trotzdem in regelmäßigen Abständen Kontrolluntersuchung mit professioneller Zahnreinigung bei ihrem Zahnarzt.

Auch bei der Katze ist tägliches Zähneputzen möglich, aber längst nicht bei Jeder. In dem Fall bleibt nur die regelmäßige professionelle Zahnreinigung beim Tierarzt, um nicht nur die Zähne gesund zu erhalten, sondern - durch die Verhinderung von Folgeerkrankungen - den Gesamtorganismus der Katze zu schützen.

Was mach ich wenn mein Tier schon Zahnstein hat?

Die einzig vernünftige Methode Zahnstein zu beseitigen ist die vorsichtige mechanische Entfernung von der Zahnoberfläche ohne diese dabei zu beschädigen. Dies kann einerseits durch sog. Scaling des sichtbaren Zahnes (supraginigival), als auch den Bereich unterhalb des Zahnfleisches (subginigival) erfolgen.

Wesentlich verbreiteter ist die Entfernung des Zahnbelages mit dem Ultraschallreiniger, der allerdings nur oberhalb des Zahnfleisches angewendet werden sollte. Wir in unserer Praxis benutzen dagegen Ultraschallgeräte deren neuartige Ultraschallspitzen auch für die Arbeit subgingival angewendet werden können. Abschließend sollte die Politur der Zähne erfolgen, da selbst bei einem lege artis durchgeführten Scaling oder einer Ultraschallzahnreinigung die Zahnoberfläche oberflächlich zerkratzt und aufgeraut wird, so dass sich dort Plaque optimal wieder anheften kann.