Zahnnotfall bei Hunden und Katzen

Zahnnotfälle bei Hund & Katze

Zahnnotfälle bei Tieren erleben wir häufig. Oft betreffen diese Notfälle Zahnfrakturen mit freiliegendem Nerv. Ebenso treffen wir Kieferbrüche oder das Herausbrechen von Zähnen aus der Knochenverankerung (Zahnluxation) an. Solche Verletzungen und Frakturen entstehen oft beim Spielen mit Stöcken oder Steinen, bei Beißereien oder durch Autounfälle.

Ein frisch abgebrochener Zahn mit Eröffnung der Pulpa (= Nerv und Blutgefäße) ist an einer Blutung zu erkennen. Diese Verletzung ist immer ein zahnmedizinischer Notfall und muss umgehend versorgt werden! Nur durch eine schnelle und professionelle Zahnbehandlung Ihres Tieres kann das Überleben des Zahnes gesichert werden.

Was ist ein Zahnnotfall bei Tieren?

Anzeichen für einen Zahnnotfall bei Tieren:

Offensichtliche Zeichen eines Zahnnotfalls sind leicht zu erkennen:

  • Deformation des Kiefers
  • Schwellungen
  • Starke Blutungen
  • Plötzliche Schmerzhaftigkeit

Es kann aber auch sein, dass ein Trauma in der Maulhöhle weniger schwach ausgeprägte Zeichen aufweist. Zum Beispiel

  • Vermehrte Zungenbewegungen
  • Speicheln
  • Appetitlosigkeit
  • Einseitiges Kauen oder Tragen von Gegenständen
  • Weniger Spiellust
  • Vermehrte Aggressivität

Achten Sie auf abgebrochene Zähne oder Zahnteile im Gebiss Ihres Tieres. Ob ein lebender Nerv betroffen ist, erkennen Sie u.a. an einem frischen Blutstropfen oder der deutlichen Schmerzhaftigkeit des Zahnes. In diesen Fällen handelt es sich wahrscheinlich um eine frische Zahnfraktur mit vitaler Pulpa, also dem Nerv und Blutgefäßen eines lebenden Zahnes.

Am häufigsten von Zahnfrakturen betroffen sind Eckzähne und die Außenlamellen der oberen Reißzähne. Rüden großer Rassen erleiden dabei häufiger Zahnfrakturen als weibliche Hunde.
 

Kein Zahnnotfall ist eine ältere Zahnfraktur.

Diese erkennen Sie oft an der dunkleren Verfärbung des gesamten Zahnes, insbesondere im Vergleich zu den Nachbarzähnen. Die Pulpa, also der Nerv und Blutgefäße, ist an seiner Eröffnungsstelle meist ebenfalls bereits dunkel oder schwarz verfärbt. Schmerzreaktionen oder Blutungen sind nicht mehr festzustellen. Die Sondenspitze kann einen unangenehmen Geruch aufweisen.

All dies sind Anzeichen, dass die Pulpa bereits abgestorben ist. Dennoch sollte eine zahnärztliche Behandlung erfolgen. Um einen Zahnnotfall handelt es sich allerdings nicht (mehr).

Können auch ältere Zahnfrakturen noch behandelt werden?

Müssen abgebrochene Zähne bei Hunden oder Katzen gezogen werden?

Es ist unser vorrangiges Ziel, den Zahn Ihres Tieres zu erhalten. Das Überleben eines Zahnes ist gerade bei jungen Tieren besonders wichtig. Eine Zahnfraktur mit Eröffnung der Pulpa (= Nerv und Blutgefäße) muss deshalb umgehend versorgt werden.

Warum ist eine schnelle Behandlung des abgebrochenen Zahnes so wichtig?
Die Wanddicke und damit die Stabilität des Zahnes nimmt in den ersten fünf Lebensjahren erst zu. Nach dem Zahnwechsel vom Milch- zum bleibenden Gebiss – im Alter von 8 Monaten – ist die Wandstärke des Zahnes noch recht gering. Die Pulpahöhle (Nervenhöhle) ist entsprechend groß und weit. Erst mit zunehmender Bildung von Sekundärdentin (Ersatzzahnbein) im Inneren der Pulpahöhle wird diese enger und die Wand des Zahnes stärker. Weil die Wanddickenzunahme nur bei lebender (vitaler) Pulpa stattfindet, ist die Zahnerhaltung, also die Vitalität des Zahnes, so wichtig. Nur so kann sich der Zahn Ihres jungen Tieres stabilisieren.

Zur Verdeutlichung: Bei einem Deutschen Schäferhund von fünf Jahren ist die Pulpahöhle nur noch so breit wie eine Bleistiftmine und die Wandstärke entsprechend stabil. Bei älteren Hunden brechen die Zähne deshalb eher im Ganzen aus der Knochenhöhle heraus (Zahnluxation). Die Zähne von jungen Hunden dagegen brechen bei einem Schlag eher ab.

Dem Hund oder der Katze ist ein Zahn abgebrochen – was ist jetzt zu tun?

Versuchen Sie abzuschätzen, ob es sich um eine frische Zahnfraktur mit lebendem Zahn oder um eine ältere Fraktur eines bereits abgestorbenen Zahnes handelt. 

Was ist ein Zahnnotfall bei Tieren?

Eine frische Zahnfraktur mit Eröffnung der Pulpa, also dem freiliegenden Nerv des Zahnes mit Schmerzhaftigkeit sollte immer als Notfall behandelt werden. Eine frühe Versorgung ist notwendig, um das Überleben des Zahnes zu sichern. 

Müssen abgebrochene Zähne bei Hunden oder Katzen gezogen werden?

Was macht der Tierarzt bei einem frisch abgebrochenen Zahn?

Ihr Tier legen wir in Narkose. Dann röntgen wir den abgebrochenen Zahn. So können wir feststellen, ob eine Fraktur bis in die Wurzel vorliegt. Im besten Fall aber ist der Rest des Zahnes weitgehend unverletzt, so dass er erhalten bleiben kann.

Anschließend entfernen wir in keimreduzierter Umgebung den obersten Teil der Pulpa. Damit erreichen wir eine Wundverlagerung in die Tiefe. Eine darüber platzierte Füllung verschließt den verletzten Zahn keimdicht.

Diese Behandlung regt die Odontoblasten an, die ein sogenanntes „Reparaturdentin“ in Form einer Brücke unterhalb der Füllung bilden. Dieses sorgt für einen zusätzlichen Schutz über der empfindlichen Pulpa. Nach circa sechs Monaten kontrollieren wir die sogenannte „Dentinbrückenbildung“ mit einer weiteren Röntgenaufnahme.

Können auch ältere Zahnfrakturen noch behandelt werden?

Die Annahme, dass eine ältere Zahnfraktur oder ein bereits abgestorbener Zahn nicht mehr behandelt werden müsste, ist leider weit verbreitet. Das Gegenteil ist der Fall: Auch eine ältere Zahnfraktur sollte behandelt werden. Da es sich bei dieser Verletzung jedoch nicht mehr um einen Notfall handelt, können wir die zahnärztliche Behandlung in Ruhe planen.

Was würde ohne Behandlung geschehen?

Keime, die über die eröffnete Pulpa ins Zahninnere gelangen, führen zu einer Entzündung (Pulpitis). Dadurch stirbt der Nerv letztlich ab (Pulpanekrose).

Je nach Abwehrlage des Immunsystems wandern die Bakterien weiter über die Wurzelspitze hinaus ins umliegende Knochengewebe. Hier bewirken sie vorerst eine lokale Entzündung mit partieller Auflösung des Knochengewebes. Die Bakterien bilden dann ein sogenanntes „Wurzelgranulom“.

Später breitet sich die Entzündung schmerzhaft aus und verursacht eine Schwellung der größeren Knochen- und Weichteilgebiete, die sogenannte „dicke Backe“. Leider ist der Zahn in diesem Stadium meist nicht mehr zu retten. Bleibt auch dieses Stadium der Knochenentzündung unbehandelt, wird der Zahn irgendwann aus dem Knochen herauseitern.

Eine professionelle Zahnbehandlung ist hier dringend angeraten.

Die Wurzelbehandlung beim Tier

Die Wurzelbehandlung beim Tier

Genau wie beim Menschen sollte eine korrekte und sachkundig durchgeführte Wurzelbehandlung (Endodontie) erfolgen.

Bei einer Wurzelbehandlung entfernen wir den entzündeten oder abgestorbenen Nerv. Die Pulpahöhle wird so aufbereitet, dass sie durch das Abtragen der Innenwandschichten keimfrei wird, von der Öffnung bis zur Wurzelspitze. Dieses erreichen wir durch Zahnfeilen und das wiederholte Spülen mit desinfizierenden Lösungen.

Dann können wir die desinfizierte und leere Pulpahöhle mit einer Wurzelfüllmasse und Harzstiften füllen. Die Füllung ist der keimdichte Verschluss zur Wurzelspitze, zur Zahnhöhleninnenwand und auch zur vormaligen Öffnungsstelle.

Dieser avitale, also leblose Zahn ist zwar etwas spröder als ein lebender, doch ist er in Form und Funktion voll einsatzfähig und für das Tier brauchbar.

Zahnluxation beim Hund: Wenn der Zahn aus dem Knochen gerissen ist.

Zahnluxationen beobachten wir häufig bei Hunden, die beim Apportieren von großen, schweren Hölzern gegen Hindernisse laufen. Auch Beißereien mit Verklemmung eines Zahnes im Stahlhalsband des Gegners kann diese Verletzungen hervorrufen.

Durch die Übertragung erheblicher Hebelkräfte auf den Zahn kann es hierbei zu einer Zahnlockerung kommen (Subluxation). Der Zahn kann jedoch auch komplett aus seiner Verankerung gerissen sein (Avulsion).

Die Behandlung der Zahnluxation beim Hund

Vor jeder Behandlung wägen wir prognostisch ab, welche Erhaltungschancen möglich sind.

Da ein komplett aus seinem Zahnfach herausgehebelter Zahn nur eine kurze Überlebenszeit von circa einer halben Stunde hat, sollte er schnellstmöglich - am besten in kalter H-Milch - zur Reimplantation gelangen.  Dadurch verlängert sich seine Überlebenszeit auf circa drei bis vier Stunden.  

Nach einer Schienung an geeignete Nachbarzähne stellen wir den betroffenen Zahn temporär ruhig. Röntgenverlaufskontrollen sollten wegen der Gefahr von Auflösungserscheinung an den Wurzeln dringend erfolgen.

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Falls Sie uns im Notfall nicht erreichen können, wenden Sie sich bitte an die Tierklinik Asterlagen, Duisburg. Diese ist rund um die Uhr erreichbar.

Tel. 02065 90380

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