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Sunday, 09.12.2018

Parodontologie:

Krankhafte Veränderungen in der Maulhöhle sind die mit Abstand häufigsten Erkrankungen bei Hund und Katze überhaupt. Anders gesagt weisen mehr als 80 % aller Hunde und Katzen, die älter als 6 Jahre sind, entzündliche Erkrankungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis) auf, mit schweren Folgen für den allgemeinen Gesundheitszustand.

(2 Oberkieferbackenzähne eines Hundes mit einer höchstgradigen Parodontitis, deutlichem Abbau des umliegenden Kieferknochens und einer damit verbundenen hochgradigen Lockerung der Zähne.)

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Parodontose und Parodontitis?

Wie entsteht eine Gingivitis und wie eine Parodontitis?

Wie wird eine Parodontalerkrankung diagnostiziert?

Wie wird eine Parodontalerkrankung behandelt?

Wie kann man im Vorhinein eine Parodontalerkrankung verhindern?

Was ist der Unterschied zwischen Parodontose und Parodontitis?

Lockere Zähne und Zahnausfall werden auch heute noch oft, als Alterserscheinung, sowohl bei uns Menschen, als auch bei unseren Haustieren erklärt. Degenerative Alterungsprozesse am Zahnhalteapparat (sog. „Parodontose“) werden dafür verantwortlich gemacht. In neuerer Zeit weiß man jedoch, dass es sich hierbei in erster Linie um einen infektiösen Prozess (Parodontitis) handelt, bei dem ganz bestimmte Entstehungsmechanismen beteiligt sind

Wie entsteht eine Gingivitis und wie eine Parodontitis?

Früher wurde Zahnstein als Ursache für Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) und Parodontalerkrankungen angesehen, jedoch gilt es heutzutage als gesichert, dass lebende Bakterien im Zahnbelag (Plaque) Voraussetzung für die Entstehung einer Entzündung des Zahnhalteapparates sind. Diese Bakterien sind aber nicht alleine für die Entstehung lokaler Entzündungen in der Maulhöhle, sondern auch für die Ausbreitung in den Gesamtorganismus verantwortlich. Humanmedizinische Studien belegen eindeutig den Zusammenhang zwischen Parodontal- und Allgemeinerkrankungen wie Diabetes mellitus, Lungenentzündungen, Herzerkrankungen oder Schädigungen von Leber und Nieren.

Eine veterinärmedizinische Studie an 45 Hunden zeigte eine signifikante Korrelation zwischen dem Grad der parodontalen Erkrankung und dem Grad nachweisbarer entzündlicher Veränderungen in Niere, Leber und Herzmuskel. Somit kann man zusammenfassend sagen, dass alle Hunde mit Zahnbelag unweigerlich eine mehr oder weniger starke Zahnfleischentzündung (Gingivitis) aufweisen, die sich jedoch nicht unbedingt zu einer Zahnhalteapparatentzündung (Parodontitis) weiterentwickeln muss. Jüngste Untersuchungen weisen darauf hin, dass sowohl die individuelle Immunreaktionslage in der Maulhöhle, als auch genetische Faktoren, für die Entstehung parodontaler Erkrankungen - aus einer Zahnfleischentzündung heraus - verantwortlich sind.  

Wie wird eine Parodontalerkrankung diagnostiziert?

Da Parodontalerkrankungen unter dem Zahnfleischrand verborgenen sind, werden sie häufig übersehen. Um ihre Veränderungen zu erkennen braucht man spezifische Hilfsmittel, wie eine Parodontalsonde und die Möglichkeit Zähne zu röntgen. Unangenehmer Geruch aus dem Maul (Halitosis) ist der häufigste Grund, warum Besitzer mit ihrem parodontalerkrankten Tier den Tierarzt konsultieren. Das Ausmaß des sichtbaren Zahnbelags und Zahnsteins korreliert dabei nicht zwangsläufig mit dem Grad der parodontalen Schädigung. Beurteilt werden neben der  Ausbreitung von Zahnbelag, Zahnstein und Gingivitis, insbesondere die Sondierungstiefe der Zahnfleischfurche, das Vorhandensein von Zahnfleischwucherung oder auch Zahnfleischrückgang und zuletzt der Grad einer freiliegenden Zahnwurzelaufzweigung (Furkation) und der Zahnbeweglichkeit.

Wie wird eine Parodontalerkrankung behandelt?

Eine fachgerechte und professionelle Parodontaltherapie sollte nach Möglichkeit in Intubationsnarkose erfolgen, um ein Einatmen von gelöstem infektiösem Zahnbelag zu vermeiden. Ziel dieser Behandlung ist ein Fortschreiten der parodontalen Erkrankung aufzuhalten. Dies geschieht durch Entfernung von Zahnbelag und Zahnstein vom sichtbaren Zahn (oberhalb des Zahnfleischrandes, supragingival) mit Hilfe eines elektrischen Ultraschallzahnsteingerätes. Anschließend erfolgt die Reinigung des nicht sichtbaren Bereiches unterhalb des Zahnfleischrandes (subgingival). Dieses subgingivale Scaling (abschaben, abschuppen) und die anschließende Wurzelglättung sollten mechanisch mit sog. Handscalern oder Küretten erfolgen. Nur einige wenige Spezialultraschallgeräte, wie in unserer Praxis vorhanden, können auch subgingival unter dem Zahnfleisch angewendet werden. Die fachgerecht durchgeführte, subgingivale Reinigung und Glättung, stellt die wichtigste Maßnahme im Kampf gegen das Fortschreiten der Erkrankung dar. Eine abschließende Politur und Sulcuslavage (Spülung der Zahnfleischtaschen) vervollständigen die Behandlung. In fortgeschrittenen Fällen können auch die Zahnextraktion (ziehen des Zahnes) oder spezielle Parodontalopertionen unvermeidbar werden.

Wie kann man im Vorhinein eine Parodontalerkrankung verhindern?

Die o. b. professionelle Parodontalbehandlung kann nur unter der Voraussetzung zum Erfolg führen, das der Patientenbesitzer bereit ist, eine dauerhafte Zahnhygiene zu Hause (home care) zu betreiben. Da es keine Medikament zur Vorbeugung von parodontalen Erkrankungen gibt, ist tägliches Zähneputzen die mit Abstand wirksamste Methode zur Heilung von Zahnfleischentzündungen und zur Verhinderung des Fortschreitens von Zahnhalteapparaterkrankungen.

Andernfalls wird sich sehr schnell wieder neuer Zahnbelag bilden und die Erkrankung des Zahnhalteapparates wird unweigerlich fortschreiten. Der Patientenbesitzer muss sich trotz gewissenhafter Zahnpflege zu Hause darüber im Klaren sein, dass eine professionelle Zahnreinigung beim Tierarzt , in individuell zu ermittelnden Abständen nötig ist.