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Tuesday, 30.08.2016

Zahnprobleme der Katze:

Zahnprobleme der Katze sind im wesentlichen geprägt durch zwei Erkrankungen, die überdurchschnittlich häufig bei dieser Spezies anzutreffen sind. Die fälschlicherweise als Zahnhalskaries oder neck lesions bezeichnete FORL (Feline odontoklastisch resorptive Läsion) und die chronische Gingivitis/Stomatitis. Letztere steht für eine Erscheinung, die geprägt ist durch eine überaus schwer zu behandelnde Entzündung der Mundschleimhäute.

Was versteht man genau unter der FORL - und was sind die Ursachen?

Wie entsteht eine FORL - und welche Typen gibt es?

Wie erkenne ich, ob meine Katze unter FORL leidet?

Wie kann man eine FORL behandeln?

Was versteht man genau unter einer chronischen Gingivitis/Stomatitis?

Wie behandelt man eine chronische Gingivitis/Stomatitis?

Was versteht man genau unter der FORL - und was sind die Ursachen?

Die feline odontoklastische resorptive Läsion ist eine Erkrankung, die gekennzeichnet ist durch eine außerordentlich schmerzhafte, lakunenartige Zerstörung der Zahnhartsubstanz durch körpereigene Abbauzellen (sog. Odontoklasten). Jede dritte Katze ist davon betroffen. Neuere Untersuchungen zeigen sogar eine Häufigkeit von nahezu 50% aller Katzen über 5 Jahren. Als Ursachen für die Entstehung einer FORL werden viele Thesen diskutiert. Unbestritten ist die zunehmende Häufigkeit dieser Erkrankung mit steigendem Alter. Katzen über 5 Jahre sind doppelt so häufig betroffen als jüngere Tiere. Da ca. 80% der Katzen über 6 Jahre an parodontologischen Problemen leiden, gilt die Begünstigung einer FORL durch Entzündungprozesse als weitere Ursache. Jüngere Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine Überversorgung mit Vitamin D 3 sowie eine Störung im Calcium-Phosphor-Verhältnis, einen Einfluss auf die Häufigkeit einer FORL besitzen können.

Wie entsteht eine FORL - und welche Typen gibt es?

Der Entstehungsort der FORL ist fast ausschließlich der Wurzelzement - meist im Bereich der Schmelz-Zement-Grenze - also in der Nähe des Zahnhalses kurz unterhalb der Maulschleimhaut. Von hier aus schreiten die zahnhartsubstanzauflösenden Prozesse tiefer in das Dentin (Zahnbein) fort. Dieses führt über geöffnete Dentinkanälchen und dem späteren Durchbruch in die Pulpa (Zahnnerv) zu den massiven Schmerzen bei dieser Erkrankung. Es lassen sich je nach Entstehung und Krankheitsverlauf zwei verschiedene Arten der FORL unterscheiden. Bei der FORL Typ 1 sind entzündliche Prozesse bei der Entstehung beteiligt. Dieses sind oft Erkrankungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis), mit horizontalem und vertikalem Knochenabbau. Die Zahnhartsubstanzdefekte sind ausgefüllt mit Entzündungszellen. Reparaturprozesse finden nicht statt. Die Entstehung der FORL Typ 2 ist gekennzeichnet durch das Fehlen vorausgegangener Entzündungsprozesse. Ihr Fortschreiten kann jedoch durch Entzündungen begünstigt werden. Neben den resorptiven Hartsubstanzdefekten findet man bei diesem Typ auch reparative Prozesse. Diese sind gekennzeichnet durch das Auffüllen der entstandenen Läsionen mit zement- oder knochenartigem Ersatzgewebe. Da es sich hierbei um eine fehlerhafte Reparatur handelt, findet eine Verknöcherung zwischen Kiefer und Zahnwurzel statt. Diese sog. Ankylosierung führt dann zu einem Elastizitätsverlust des Zahnes in seinem Knochenfach. Durch die nun fehlende stoßbrechende Wirkung kommt es bei Belastung oft zum Abbrechen der Zahnkrone, meist in Höhe der Maulschleimhaut.

Wie erkenne ich, ob meine Katze unter FORL leidet?

Die FORL ist eine überaus schmerzhafte Erkrankung, die sich im Anfangsstadium als unspezifische Reaktionen bei der Futteraufnahme zeigen kann. Alle ungewöhnlichen Erscheinungen beim Fressen oder dem Kauen selbst, sollten den Katzenbesitzer veranlassen, an eine mögliche FORL zu denken. Ver- minderte Fresslust, untypische Zungenbewegungen, das Schiefhalten des Kopfes beim Kauen oder das Fallenlassen von aufgenommenem Futter, können als erste Hinweise für diese schmerzhafte Erkrankung gedeutet werden. Besonders in fortgeschrittenem Stadium sind häufig starker Mundgeruch, Schmerz- laute beim Fressen, das Anfauchen des Futternapfs sowie ein vermehrter Speichelfluss, bis hin zur völligen Futterverweigerung zu beobachten. Alle diese Erscheinungen sollten den Katzenbesitzer veranlassen, seine Katze dem Tierarzt vorzustellen, damit dieser das Katzengebiss einer gründlichen Untersuchung unterziehen kann.

Gerade im Anfangsstadium sind Veränderungen nur durch Röntgenaufnahmen des Gebisses sicher zu entdecken, da die resorptiven Prozesse im Wurzel- bereich beginnen. Erst später lassen sich Zahnhart- substanzdefekte mit einer Sonde ertasten bzw. durch Schmerzreaktion bei der Untersuchung ermitteln. Eine plötzliche Kieferzuckung bei der Sondenuntersuchung (ähnlich einem elektrischen Schlag) ist eine typische Reaktion bei der FORL-Untersuchung, der eine genauere Abklärung folgen sollte. Beim Verdacht oder Nachweis einer FORL an einem Zahn, sollten auch alle anderen Zähne einer Röntgenuntersuchung unterzogen werden, da die FORL häufig an mehreren Zähnen gleichzeitig auftritt.

Wie kann man eine FORL behandeln?

Bis auf wenige Ausnahmefälle ist das Ziehen der betroffenen Zähne das Mittel der Wahl. Eine Füllungstherapie bei FORL-Zähnen hat eine schlechte Langzeitprognose, da die Resoptionsprozesse im Wurzelbereich fortschreiten. Voraussetzung für eine solche Zahnfüllung ist ein entzündungsfreies Gebiet, so dass eine FORL Typ 1-Läsion von vornherein ausscheidet. Lediglich ein FORL Typ 2-Defekt im Anfangsstadium scheint für eine Füllungstherapie geeignet. Grundvoraussetzung ist jedoch eine gute Zugänglichkeit der Läsion am Zahn selbst und eine geeignete Nachsorge durch regelmässiges Zähneputzen. Das Ziehen (Extraktion) eines fragilen FORL-Zahnes stellt eine hohe Anforderung an den behandelnden Tierarzt. Zähne vom FORL Typ 1 müssen vollständig extrahiert werden, so dass keine Wurzelreste im Kiefer verbleiben, da eine Resorption der Wurzeln nicht zu erwarten ist. Zurückgebliebene Wurzelreste können zu erheblichen Spätproblemen, wie anhaltende Entzündungen führen. Die Extraktion von Zähnen des FORL Typ 2 wird häufig dadurch erschwert, dass eine genaue Grenze zwischen Wurzel und Kieferknochen nicht mehr vorhanden ist (Ankylosierung). In beiden Fällen hat sich die operative Entfernung mit Eröffnung des Kieferknochens von der Seite her (buccale Osteotomie) als günstigste Methode herausgestellt, da hierbei eine klare Sicht auf die Wurzeln ermöglicht wird.

Was versteht man genau unter einer chronischen Gingivitis/Stomatitis?

Die chronische Gingivitis/Stomatitis ist gekennzeichnet durch eine andauernde hochschmerzhafte Entzündung der Maulschleimhäute, insbesondere der Kieferwinkel und Gaumenbögen. Sie ist eine Erscheinung für deren Entstehung zahlreiche Ursachen verantwortlich sind. Neben Viren und Bakterien scheint vor allem eine überschiessende Reaktion des Immunsystems auf diese Reizfaktoren, eine Hauptursache für diese schwer zu behandelnde Erkrankung zu sein. Auch allgemein das Immunsystem beeinflussende Faktoren, wie die Leukose- oder die FIV-Infektion begünstigen die Unterhaltung und die schwere der Erkrankung. Rassetiere scheinen häufiger betroffen zu sein, insbesondere ein früherer Ausbruch ist bei diesen Katzen zu beobachten. Die Maulschleimhaut unmittelbar um die Zähne, aber auch die der Kieferwinkel, Zunge und Gaumen, sind meist feuerrot verdickt, schmerzhaft und bluten schon bei leichter Berührung. Schmerzsymptome wie Zungenbewegungen, vermehrter Speichelfluss, starker Maulgeruch, Fauchen und Schlagen nach dem Fressnapf bis hin zur völligen Futterverweigerung, stehen bei den zu beobachteten Befunden im Vordergrund. Andere, ebenfalls schmerzhafte Maulhöhlenerkrankungen wie Parodontitis, FORL oder bösartige Tumoren sind für die Diagnose der chronischen Gingivitis/Stomatitis auszuschliessen.

Wie behandelt man eine chronische Gingivitis/Stomatitis?

Da es viele verschiedene Ursachen für diese Erkrankung gibt, sind die Therapieansätze ebenso zahlreich. Neben einer gründlichen Parodontalbehandlung, sind eine allgemeine Antibiotika und entzündungshemmende Therapie ebenso wichtig, wie häusliche Mundhygiene durch lokale Maulhöhlendesinfektion und  regelmäßiges Zähneputzen. Als sehr vielversprechend, haben sich lokale und allgemeine Immunstimmulationsbehandlungen mit Paraimmunitätsinducern und Interferon herausgestellt. Als letzte Möglichkeit wäre die komplette Extraktion der Backenzähne zu erwähnen. Hierdurch erreicht man eine erhebliche Reduzierung der Reizfaktoren und damit eine Entlastung des Immunsystems. Obwohl diese Behandlung eine sehr hohe Erfolgsquote aufweist, sollten - durch die Endgültigkeit dieses Eingriffs - die anderen Therapiemöglichkeiten zuvor versucht werden.